Die GbF Schweinfurt wird vom berufsgenossenschaftlichen arbeitsmedizinischen Dienst hinsichtlich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes durch Herrn Sauer betreut. Regelmäßig werden von Herrn Sauer zusammen mit Herrn Keller Begehungen durchgeführt. Bei einer dieser Begehungen wies Herr Keller Herrn Sauer darauf hin, dass es in der GbF Schweinfurt seit 5 Jahren wilde Honigbienen gibt, welche sich in einem Rollladenkasten niederließen und immer wieder mal die Lehrkräfte und Schüler durch das geöffnete Fenster besuchten.

Herr Sauer, selbst Imker, erklärte Herrn Keller, dass es sich bestimmt nicht um Bienen, sondern um Wespen handelte. Da alle Bienen in Europa von der Varroamilbe befallen sind, und vom Imker mehrmals im Jahr mit verschiedenen Säuren behandelt werden müssen sei es sehr unwahrscheinlich, dass ein unbehandeltes Bienenvolk einen Winter überlebt, geschweige denn 5 Jahre. Nach Begutachtung der vermeintlichen Wespen stellte es sich heraus, dass es tatsächlich „gewöhnliche“ Honigbienen waren. Nach kurzer Besprechung vereinbarten Herr Keller und Herr Sauer den Bienenstock umzusiedeln. Die Maler der GBF bereitete die Umsiedlung der Bienen vor. Sie stellten ein Gerüst auf, sägten die Gipsplatten hinter dem Rollladenkasten vorsichtig auf, so dass ein späteres öffnen durch Herrn Sauer möglich war. Da die Bienen durch den Sägeschnitt die Maler schon bedrohlich beäugten, wurde diese mit einem Klebeband wieder verschlossen. Nun wurde mit der Umsiedlung begonnen. Herr Sauer und sein Sohn öffneten nach Anlegung der Schutzkleidung den Rollladenkasten.

Das Bienenvolk wurde mit Rauch eingenebelt um es zu beruhigen bzw. am Stechen zu hindern. Dies ist eine gebräuchliche Methode bei der Umsiedlung von Bienen. Auch bei dieser Umsiedlung dachten sie, dass es im Stock brennt und wollten ihren Honig retten, indem sie so viel wie möglich hiervon aufsaugten. Die Bienen waren dann so schwer, dass sie nicht mehr fliegen konnten bzw. sehr träge waren.
Die von den Bienen selbstgebauten Naturwaben wurden nun vorsichtig herausgeschnitten und in einem mitgebrachten Bienenkasten eingesetzt.

Die Königin wurde aus dem Stock genommen und um Verletzungen der Königin zu vermeiden einzeln transportiert. Das Finden der Königin stellte sich als sehr schwierig heraus, da diese nicht markiert (Farbpunkt auf Rücken) hatte. Somit mussten alle ca. 60 000 Bienen unter Augenschein genommen werden. Das Wohl der Königin stand an erster Stelle, weil nur mit ihr das Bienenvolk eine Überlebenschance hat.
Als alle Biene in ihren neuen Stock umgesiedelt waren, machten sie sich auf den Weg in ihr neues Zuhause nach Sand am Main. Die Königin wurde markiert (Farbpunkt auf Rücken) und wieder ins Volk gesetzt.

Das Bienenvolk wurde nun zur Erholung zu weiteren Völkern in den Steigerwald gestellt. Der umgesiedelte Bienenstock wurde im Laufe des Sommers wöchentlich begutachtet. Alles verlief problemlos. Die Königin legte bereits nach 3 Tagen wieder Eier in die Waben. Die Arbeiterinnen sammelten sofort Honig und Pollen. Das Volk wuchs auf eine beträchtliche Größe heran. Es gehört mittlerweile zu einem der stärksten Bienenvölker.

Das Volk wird von uns ständig auf den Befall der Varroamilbe kontrolliert. Bisher wurde kein Milbenbefall festgestellt. Das ist sehr ungewöhnlich. Eine Behandlung mit Säuren ist somit bis jetzt nicht nötig gewesen.

Wir sind schon sehr gespannt, wie sich das Volk nach der Winterruhe im kommenden Frühjahr weiterentwickelt.

Lea Sauer
Praktikantin und Tochter des Imker