Am 27. November 2014 fand bereits zum 16. Mal der Arbeitskreis „Jugend in Bewegung“ in der GbF (Gesellschaft zur beruflichen Förderung) Schweinfurt mbH statt. Dieser Arbeitskreis wird zwei Mal jährlich von Projekt RABE in Kooperation mit der Agentur für Arbeit organisiert. Es sind alle Institutionen aus Schweinfurt vertreten, die an der beruflichen Integration sozial benachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener beteiligt sind. Neben dem Jugendrichter am Amtsgericht Schweinfurt sind dies u.a. Bewährungshilfe,Vertreter des Stadtjugendamtes, der Jobcenter Stadt und Landkreis, Träger der Jugendhilfe, verschiedener Bildungsträger, der Kammern (HWK und IHK) sowie der Berufsschulen. Neben der aktuellen Situation am Ausbildungsmarkt und der auftretenden Vermittlungsschwierigkeiten, steht immer ein Thema im Mittelpunkt der Veranstaltung. Dieses Mal waren Referentinnen zum aktuellen Thema „Junge Flüchtlinge und Asylbewerber“ geladen. Das Interesse an der Veranstaltung war entsprechend groß.

Das sogenannte Berufsintegrationsjahr (BIJ) wurde vom Alfons-Goppel-Berufsschulzentrum, vertreten durch Frau Barbara Klemm – Beratungslehrerin – vorgestellt. Am BSZ Alfons Goppel gibt es seit dem Schuljahr 2013/14 eine Asylbewerberklasse, die speziell für junge Flüchtlinge eingerichtet wurde. Die Hauptzielgruppe des Angebotes – unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – unterliegt der Schul- bzw. sind sie bereits 16Jahre alt, der Berufsschulpflicht. In der eingerichteten sogenannten Vorklasse lernen sie zum einen die deutsche Sprache, aber auch lebenspraktische Bereiche unserer Kultur kennen. Neben der intensiven sprachlichen Vorbereitung werden die Jugendlichen durch das bfz auch sozialpädagogisch betreut. Nicht zu unterschätzen sind die traumatisierenden Erfahrungen im Heimatland und auf der Flucht, die diese jungen Menschen ohne familiäre Unterstützung in einem fremden Land bewältigen müssen.

Im zweiten Jahr geht es sehr intensiv um die berufliche Orientierung. Hier kommt ihnen die Vielfalt am Alfons-Goppel-BSZ zu Gute, denn sie können in verschiedene Berufsfelder „hineinschnuppern“. In diesem zweiten Jahr gehen die jungen Menschen dann an zwei Tagen in der Woche ins Praktikum. Ziel ist der erfolgreiche Mittelschulabschluss. Ein Schüler bekam bereits vom Praktikumsbetrieb das Angebot im kommenden Jahr eine Ausbildung dort zubeginnen. In diesem Schuljahr wurde das Angebot um zwei weitere BIJ-Klassen erweitert und trotzdem gibt es bereits eine Warteliste mit 17 Interessenten.

Die zweite Referentin – Frau Morick-Kraus von der Asylbewerberberatung der Diakonie in Schweinfurt – informierte die Anwesenden über die Schwierigkeiten mit denen junge Asylbewerber zu kämpfen haben. Belastend ist häufig die Unterbringung in den Gemeinschaftsunterkünften in denen kaum Rückzugsmöglichkeiten bestehen. Während das generelle Arbeitsverbot am 11.11.2014 abgeschafft wurde und nur noch in den ersten drei Monaten gilt, hindern jedoch die Sprachbarriere einerseits sowie die mangelnde Anerkennung der im Herkunftsland erworbenen Qualifikationen die jungen Menschen an der Aufnahme einer Beschäftigung. Zudem wird bei der Besetzung einer offenen Stelle zunächst geprüft, ob es einheimische Bewerber gibt, die vorrangig behandelt werden. Die erzwungene Untätigkeit in Verbindung mit den traumatischen Erlebnissen der Flucht führt daher häufig zu depressiven Symptomen. Wichtig sind hier die angebotenen Sprachkurse, die jedoch nicht ausreichen, um alle Asylbewerber zu versorgen. Besonders schwierig ist die Situation in den Unterkünften auf dem Land, da hier keine professionellen Sprachkurse angeboten werden und Fahrtkosten in die Stadt nicht übernommen werden können. Dort kommen häufig Ehrenamtliche zum Einsatz, die sich in großer Zahl einfinden.

Wichtig ist aus Sicht der Beraterin auch das Angebot der Sportvereine, des IBF e.V. (Internationales Begegnungszentrum für Frauen) und andere Treffen, um Integration zu ermöglichen. Sie ermutigen die Menschen dazu, Kontakte außerhalb der Unterkunft aufzunehmen. Dies untermalte ein Film, der von der Filmgruppe des BSZ Alfons Goppel – unter Leitung der Lehrkraft Frau Sabine Otter – gedreht wurde. Unter dem Titel „Von Menschen, die auszogen…“ wurden Asylbewerber in der Erstaufnahmeeinrichtung Zirndorf sowie Gemeinschaftsunterkünften interviewt sowie die Geschichte eines ukrainischen Flüchtlings erzählt. Er wurde auf seinem Weg durch das Asylbewerberverfahren begleitet und berichtete von seinen Gefühlen und Erfahrungen. Der Film erklärt den Ablauf eines Asylverfahrens, berichtet von Kindern, die in der Unterkunft vor der Tagesstätte anstehen müssen, da es zu wenig Plätze gibt und zeigt auf, wie schwierig es ist, keine Aufgabe zu haben. Er macht deutlich, was Residenzpflicht heißt und was es bedeutet „anerkannt“ zu werden.
Beim französischen Filmfest „Jufinale Unterfranken“ und „Videojeunes Calvados“ erhielt der Film den Publikumspreis sowie den Jurypreis „Europa und Frieden“ und wurde für den Deutschen Menschenrechtsfilmpreis nominiert.

Silke Vahlensieck-Lindner, Projekt RABE