Dieses Jahr konnten die Mitarbeiterinnen des Projekts RABE ein kleines Jubiläum feiern: Bereits zum 20. Mal durften sie am 26.07.2017 zahlreiche interessierte Vertreter*innen regionaler Institutionen der Jugendarbeit zum Arbeitskreis Jugend in Bewegung bei der GbF Schweinfurt begrüßen.

Zunächst gaben Frau Geheb-Müller und Frau Braun Einblick in die aktuellen Zahlen und Neuigkeiten der Agentur für Arbeit und des Jobcenters der Stadt Schweinfurt. Dieses Jahr gebe es mehr Ausbildungsplätze als Jugendliche, die eine Ausbildung suchen. Dies hänge auch damit zusammen, dass viele Jugendliche nach ihrem Schulabschluss zunächst im Schulsystem verbleiben oder eine berufsvorbereitende Maßnahme besuchen möchten, ehe sie in Ausbildung gehen. Viele Betriebe stehen mittlerweile auch schwachen Schüler*innen offen gegenüber, insbesondere wenn die Fördermöglichkeiten der Agentur für Arbeit (z. B. abH) in Anspruch genommen würden. Besonders wichtig sei hierbei jedoch auch eine gute Vernetzung aller beteiligten Institutionen, die für eine gelingende Vermittlung an einem Strang ziehen müssten.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Agentur und Jobcenter sei auch in diesem Jahr die Beratung und Vermittlung von Flüchtlingen. 60 Schüler werden dieses Jahr aus den Berufsintegrationsklassen entlassen. Von diesen konnten ca. 15 in Ausbildung vermittelt werden. Eine große Herausforderung stelle hier auch die rechtliche Lage dar. Viele Jugendliche wären vermittelbar, dürften aufgrund ihres Asylstatus jedoch keine Ausbildung beginnen. Frau Geheb-Müller beschrieb dieses Jahr noch als „Erprobungsjahr“, da im nächsten Jahr noch wesentlich mehr junge Flüchtlinge die Schulen und Berufsschulen verlassen werden und dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen werden. Die Herausforderung der Vermittlung dieser Jugendlichen hoben sowohl Frau Geheb-Müller als auch Frau Braun hervor. Frau Braun wies dabei auch auf die besondere Herausforderung bei der Vermittlung von Frauen hin, die häufig familiär stark eingebunden seien, früh Kinder bekämen und so häufig keine Integrationsmaßnahmen besuchen könnten. Dem versuche man nun mit speziellen Sprachkursangeboten mit angeschlossener Kinderbetreuung zu begegnen.

Frau Braun gab im Rahmen ihres Vortrags auch Einblick in die herausfordernde Arbeit mit psychisch belasteten Jugendlichen im Alg II-Bezug. Sie beschrieb einen Anstieg der Zahl der Jugendlichen mit psychischen Belastungen im Leistungsbezug und damit den Bedarf an darauf abgestimmten Unterstützungsmaßnahmen. Damit schaffte sie die ideale Überleitung zum Thema des Arbeitskreises „Umgang in der Beratungsarbeit mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen“. Dazu gab Frau Jacobs, Coach bei der GbF, zunächst Einblick in die Maßnahmen CJL (Coaching für Jugendliche und junge Erwachsene in besonderen Lebenslagen) und CEL (Coaching von Erwachsenen in besonderen Lebenslagen), die Jugendliche und Erwachsene mit psychischen Belastungen bei der Verbesserung der persönlichen und beruflichen Situation durch individuelles Coaching unterstützen.

Anschließend gab Frau Jacobs interessante Einblicke in die Entstehung von Entwicklungstraumata, einem Erklärungsansatz zur Entstehung von psychischen Störungsbildern. Auf dieser Grundlage besprach Frau Hönig, Psychologin bei der GbF, die gängigsten Störungsbilder aus ihrem Berufsalltag und legte dabei den Fokus auf AD(H)S, Depression und die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Besonders interessant für die Teilnehmer*innen des Arbeitskreises waren ihre anschließenden Ausführungen über die Unterstützungsmöglichkeiten, die uns als Mitarbeiter*innen in der Jugendarbeit zur Verfügung stehen, wenn wir mit psychisch belasteten Jugendlichen zu tun haben. Wir könnten Hilfe zur Selbsthilfe leisten und dem Jugendlichen eine sichere Bindung und Anlaufstelle bieten, um kleinschrittige Veränderungen zu ermöglichen. Aber auch die Grenzen unserer Möglichkeiten sollten beachtet werden. Dazu sei es wichtig, passende Ansprechpartner zu kennen, an die wir unsere Teilnehmenden verweisen können. Grundsätzlich gelte: Hausarzt und Krankenkassen sind gute erste Ansprechpartner, wenn man weitere Unterstützung einleiten möchte.

Im Anschluss an die Vorträge entstanden viele Fragen und eine rege Diskussion zu den alltäglichen Herausforderungen und Grenzen begann. Dies zeigt, wie bedeutend dieses Thema für unsere Arbeit ist und dass hier noch großer Unterstützungsbedarf besteht.