SCHWEINFURT (fan) „Fit für die Ausbildung“. Unter dieser Überschrift hat der Bildungsträger Gesellschaft zur beruflichen Förderung (GbF) zu einer Berufsinformationsveranstaltung in die Alevitische Gemeinde geladen.

70 türkische Jugendliche und Eltern nahmen teil. „Wir wissen, dass viele türkische Eltern über die Zukunft ihrer Kinder bestimmen, deswegen ist es für uns immens wichtig, dass wir mit den Eltern in Kontakt kommen und zusammenarbeiten“, sagt Halil Cesur, GbF-Mitarbeiter des Projekts Integration durch Ausbildung. Er hat dafür gesorgt, dass die Info-Veranstaltung sozusagen zu den Betroffenen ins Alevitische Gemeindezentrum gegangen ist, wenn diese schon nicht zu Veranstaltungen der Schulen kommen. Ohne die türkischen Eltern habe man keinen Einfluss auf die Ausbildung ihrer Kinder. Viele seiner Landsleute meinten noch immer, dass ihre Kinder ohne Ausbildung eine ordentliche Arbeit und Einkommen etwa in der Großindustrie fänden, so Cesur. Diese Zeiten seien aber längst vorbei.

Am Anfang stand ein Vergleich des türkischen mit dem deutschen Schulsystems, die sich ganz erheblich unterscheiden. Harald Mantel stellte städtische Integrationsprojekte vor vom Sprachkurs bis zum „Rucksackprojekt“. Ausbildungsberater Friedrich Wolf (Agentur für Arbeit) erklärte ausführlich einen Berufswahltest, mit dem spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten (logisches Denken, Handgeschick etc.) geprüft und berufliche Interessen ausgelotet werden. Gerade hierzu gebe es erhebliche Missverständnisse bei türkischen Eltern, so Cesur. Viele dächten, dass ihre Kinder nach diesem Test als förderbedürftig abgestempelt und in eine Förderschule gesteckt werden. HWK-Ausbildungsberater Ingo Göllner erläuterte die Anforderungen der Handwerksbetriebe an Auszubildende, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Schulabschlüsse sie wofür mitbringen sollten.Halil Cesur stellte das Projekt Integration durch Ausbildung vor, erläuterte seine Erfahrungen mit türkischen Jugendlichen und Familien. Der 24-jährige Engin Secgin, erfolgreicher Unternehmer, erzählte wie er als mittelmäßiger Schüler den Weg in die Selbstständigkeit dennoch erfolgreich gegangen ist. Weitere GbF-Mitarbeiterinnen berichteten über die Projekte Kompetenzagentur und Pro Praxis.

Referenten und die Alevitische Gemeinde waren am Ende mit der Veranstaltung sehr zufrieden, weitere in Zusammenarbeit mit türkischen Vereinen sollen folgen.

Erscheinungsdatum 2010-03-08 Autor Eigener Artikel Quelle Schweinfurter Tagblatt