Die steigende Zahl von Lehrstellenabbrüchen treibt den „Bildungsexperten“ die Sorgenfalten auf die Stirn. Im Handwerk, der Gastronomie und anderen Branchen fehlen die Auszubilden-den. Es gibt viele Gründe, warum die vertiefte Berufsorientierung immer wichtiger wird. Das Berufsorientierungsnetzwerk, ein Kooperationsmodell zwischen Schule, Wirtschaft und Arbeitsagentur ist eines von mehreren Bausteinen, die hier Abhilfe schaffen sollen.

Bereits in der 7. Klasse nehmen die Schüler an einer sogenannten Potentialanalyse teil. Im Anschluss durchlaufen die Jugendlichen, im Rahmen einer Projektwoche in den Werkstätten eines Bildungsträgers, verschiedene Berufsbereiche. In der 8. Klasse suchen sich die Jugendlichen pro Schulhalbjahr einen Praktikumsbetrieb für ein Langzeitpraktikum. Dort lernen sie, nach einer Einführungswoche, durch den kontinuierlichen Praxistag den Betrieb und den Beruf genauer kennen. Während dieser Zeit arbeiten die Jugendlichen eine „Betriebliche Lernaufgabe“ aus, die am Ende vor Publikum präsentiert wird.

Landrat Thomas Bold ließ es sich nicht nehmen die Anton-Kliegl-Mittelschule zu besuchen, um sich selbst davon zu überzeugen, dass das Berufsorientierungsnetzwerk nach wie vor ein Erfolgsmodell ist. Klassenleiter Udo Kratzert begrüßte neben dem Landrat, Berufsberater Thomas Schlereth von der Agentur für Arbeit, Unternehmensvertreter, Eltern, eine Vertreterin des Elternbeirats und natürlich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8a der Anton-Kliegl-Mittelschule.

Landrat Bold ging in seinem Grußwort auf die Vorreiterrolle des Landkreises Bad Kissingen ein, der bereits mit dem Netzwerk Wirtschaft-Schule Akzente in der beruflichen Orientierung der damaligen Hauptschüler gesetzt hat. „Mittlerweile erreichen das Staatliche Schulamt Anfragen aus vielen Regionen Bayerns, die dieses Modell übernehmen möchten.“, sagte der Landrat nicht ohne Stolz.

Thomas Schlereth von der Agentur für Arbeit unterstrich: „Die Jugendlichen haben mit die-sem Modell die große Chance die Berufswahlentscheidung abzusichern und nicht selten sogar bereits ein Ausbildungsplatzangebot zu bekommen.“ Die Agentur für Arbeit und das Kultusministerium teilen sich die Kosten.

Im Landkreis Bad Kissingen und Landkreis Schweinfurt ist die GbF (Gesellschaft zur berufli-chen Förderung) der Kooperationspartner der Schulen. Ingo Göllner, Netzwerkbetreuer in Bad Kissingen, bedankte sich bei den Geldgebern, den Unternehmern, aber vor allem auch bei den Schülern, für die es nicht immer leicht sei, sich in der ungewohnten Umgebung zurecht zu finden. Exemplarisch stellten zwei Schüler ihre Betriebliche Lernaufgabe vor.

Lukas, der ein Praktikum als Zimmermann bei der Firma Holzbau Oliver Wenzel in Euerdorf gemacht hat, war sichtlich stolz darauf, sein Modell von einem Holzständerhaus in allen Einzelheiten dem Publikum zu erklären. Gina, die im Hotel Wyndham Garden in Bad Kissingen ihr Praktikum als Hotelfachfrau absolvierte, erklärte den Sinn und Zweck der Kurkarte und den Nutzen für die Gäste. Alle anderen Schüler hatten ebenfalls einen Stand mit ihrer Betrieblichen Lernaufgabe aufgebaut und fertigten vor Ort z.B. Obstsalat und Quark-Cracker (Beruf: Koch), bauten einen Siphon zusammen (Beruf: Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik) oder stellten Spiele aus der Früherziehung (Beruf: Kinderpflegerin) vor.